Hintergrund und Ziel: Patientenspezifische Tumororganoide sind Miniaturgewebe, die in einem dreidimensionalen In-vitro-Kultursystem wachsen und die Gewebestruktur, Zellheterogenität und Genexpressionsprofile des Ursprungstumors weitgehend bewahren. Sie haben eine hohe Genauigkeit in der präklinischen Vorhersage der Medikamentensensitivität gezeigt. Diese Studie zielt darauf ab, die Machbarkeit der Herstellung von Tumororganoiden aus Aszitesproben von Patienten mit gastrointestinalen Tumoren zu untersuchen und den Wert dieses Modells bei der individuellen medikamentösen Behandlung peritonealer Metastasen des gastrointestinalen Tumors zu bewerten. Methoden: Patienten mit Magen- und Kolonadenokarzinomen, die zwischen Januar 2022 und Juni 2025 im Zhongshan-Krankenhaus der Fudan-Universität behandelt wurden, wurden eingeschlossen. Einschlusskriterien: ① Pathologisch bestätigtes Magen- oder Kolonkarzinom mit Peritonealmetastasen und moderatem bis massivem Aszites; ② Alter 18–65 Jahre; ③ Patienten, die eine Erstlinienbehandlung erhalten hatten und deren Tumor fortschreitend war. Ausschlusskriterien: ① Nicht-adenokarzinomartige Tumore; ② erwartete Überlebenszeit unter 3 Monaten; ③ schwere Infektionen oder Organfunktionsstörungen, die eine Chemotherapie und zielgerichtete Therapie nicht tolerieren lassen. Die Studie wurde vom Ethikkomitee des Zhongshan-Krankenhauses genehmigt (Ethiknummer: Y2024-296), alle Patienten unterzeichneten eine Einwilligungserklärung. Bei den eingeschlossenen Patienten wurden abgelöste Tumorzellen aus dem Aszites isoliert, in Primärkultur gebracht und Tumororganoide konstruiert. Mit diesem Modell wurden In-vitro-Sensitivitätstests gegenüber gängigen Chemotherapie- und zielgerichteten Medikamenten durchgeführt, und es erfolgte eine Korrelationsanalyse mit der klinischen Behandlung der Patienten. Ergebnisse: Insgesamt wurden 46 Patienten eingeschlossen, bei 42 wurde erfolgreich ein dreidimensional strukturiertes Tumororganoid aus dem Aszites konstruiert, die Erfolgsrate betrug 91,3 %. Die Organoide stimmten in Gewebemorphologie und Expression wichtiger Proteine stark mit den Primärtumoren oder peritonealen Metastasen überein, behielten über 90 % der wichtigen somatischen Mutationen des Ursprungstumors, wobei die Übereinstimmung der Genstatus für KRAS, NRAS, BRAF und HER2-Amplifikation über 95 % lag. Die In-vitro-Sensitivitätstests zeigten eine Heterogenität in der Reaktion derselben Medikamente bei verschiedenen Patientenorganoiden. Basierend auf den Ergebnissen der Organoid-Sensitivitätstests betrug die objektive Ansprechrate in der Versuchsgruppe 38,9 %, signifikant höher als 25,2 % in der Kontrollgruppe (P=0,015); die mediane progressionsfreie Überlebenszeit in der Versuchsgruppe betrug 5,5 Monate, länger als 3,3 Monate in der Kontrollgruppe (HR=0,60, 95 % CI: 0,36–0,90, P=0,045). Die mediane Gesamtüberlebenszeit betrug 9,7 bzw. 8,9 Monate in Versuchs- und Kontrollgruppe, ohne statistisch signifikanten Unterschied (P=0,099). Schlussfolgerung: Aus Aszites gewonnene Tumororganoide können die biologischen Eigenschaften von Patiententumoren effektiv nachbilden und als „Patientenersatz“ für die effiziente in-vitro Medikamentensensitivitätsprüfung dienen, bieten eine personalisierte medizinische Anleitung für peritoneale Metastasen von gastrointestinalen Tumoren und haben ein wichtiges translationelles Anwendungspotenzial.