Hintergrund und Ziel: Liposomales Irinotecan ist ein neues antitumorales Medikament, das bei der Behandlung von metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs und anderen Tumoren des Verdauungssystems eine signifikante Wirksamkeit gezeigt hat, dessen Sicherheitsmerkmale jedoch noch systematisch bewertet werden müssen. Derzeit sind realweltliche systematische Studien zur Sicherheit von liposomalem Irinotecan unvollständig. Diese Studie basiert auf dem Adverse Event Reporting System der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) (FAERS), um Signale zu erfassen und zielt darauf ab, das Auftreten und die potenziellen Risiken von unerwünschten Ereignissen (adverse events, AE) im Zusammenhang mit liposomalem Irinotecan umfassend zu analysieren und so eine Sicherheitsgrundlage für eine rationale klinische Anwendung zu bieten. Methoden: AE-Berichte im Zusammenhang mit liposomalem Irinotecan wurden aus der FAERS-Datenbank vom ersten Quartal 2004 bis zum dritten Quartal 2024 extrahiert. Nach Duplikat-Entfernung wurden vier Algorithmen zur Signalentdeckung angewandt: Reporting Odds Ratio (ROR), Proportional Reporting Ratio (PRR), Bayesian Confidence Propagation Neural Network (BCPNN) und Empirical Bayesian Geometric Mean (EBGM), um das Auftreten von AEs in der realen Welt zu analysieren. Die Studie wurde von einer Ethikprüfung befreit. Ergebnisse: Insgesamt wurden 1.185 AE-Berichte im Zusammenhang mit liposomalem Irinotecan ausgewählt, die 25 Systemorganklassen (system organ classes, SOC) abdecken, hauptsächlich Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts (19,7%, ROR=2,69), Erkrankungen des Blutes und des lymphatischen Systems (7,2%, ROR=4,65) und Erkrankungen der Leber und der Gallenwege (2,0%, ROR=2,48). Häufige bevorzugte Begriffe (preferred terms, PT) umfassen Durchfall (17,0%), Neutropenie (7,3%) und Erbrechen (6,2%), während die stärksten Signalereignisse infektiöse Cholangitis (ROR=384,03), mobile thrombophlebitis (ROR=141,33) und Duodenalstenose (ROR=137,70) waren. Die Studie identifizierte zudem unerwartete Signale wie hepatobiliäre Toxizität (Cholangitis, Leberabszess), thrombotische Ereignisse (Hohlvenenthrombose, Pfortaderthrombose), infektiöse Komplikationen (Enterokolitis, Proteus-Infektion, Clostridium-difficile-Infektion), Immunreaktionen (pseudoallergische Reaktionen) und neurologische Erkrankungen (periphere sensomotorische Neuropathie, periphere sensorische Neuropathie). Die Zeitungsanalyse zeigte, dass 47,61% der AEs innerhalb von 30 Tagen nach Behandlung auftraten (Median 35 Tage). Fazit: Die Echtweltdaten zur Sicherheit von liposomalem Irinotecan bestätigen nicht nur die bekannten Nebenwirkungen aus der Fachinformation, sondern enthüllen auch mehrere neue potenzielle Risikosignale, darunter hepatobiliäre Toxizität, thrombotische Ereignisse und spezifische Infektionen. Eine verstärkte Pharmakovigilanz in der klinischen Anwendung wird empfohlen, wobei der Fokus auf häufigen, neuen und schweren Nebenwirkungen liegt, um die Dosierung individuell an die Eigenschaften der unerwünschten Wirkungen anzupassen und die Sicherheit der Anwendung zu erhöhen.